Bloggerin Kristin Posch kocht sich mit Koriander durch alle Küchen der Welt

coriander is the new basil

Mit ihrem Blog Corianderisthenewbasil.com mischt Kristin Posch die Küche ihrer Leser ordentlich auf. Und kommt dabei durchaus auch ohne das namensgebende Kraut aus, mit dem sie anfangs selbst ihre Schwierigkeiten hatte.

Kristin Posch

Ist in punto Koriander erst später auf den Geschmack gekommen: Kristin Posch, Foto: Veronika Philipp

„Dabei mochte ich es anfangs überhaupt nicht“, sagt Kristin. Bei einer Reise durch Costa Rica habe jedes landestypische Essen so einen seltsamen Beigeschmack gehabt. „Aber ich bin einfach nicht darauf gekommen, was das ist.“ Kein Wunder – schmeckt doch der südamerikanische Koriander anders als der bekanntere asiatische. Wenige Monate später löste sich das Rätsel – bei einem Thailänder in München.

Der erste Happen des Currys war das geschmackliche Wiedersehen mit dem ungeliebten Kraut aus Costa Rica. „Was ist das bloß für ein Gewürz?“ Koriander, sagte die Freundin, die mit ihr am Tisch saß. Es war der Moment, in dem sie – gelinde gesagt – auf den Geschmack gekommen ist. „Das spannende an Kräutern ist ja, dass man sie süß wie sauer (österreichisch für süß und herzhaft, Anm. d. Red.) kombinieren kann – wie auch Basilikum, das man beispielsweise für Eis verwendet.“

Coriander is the new basil“ heißt der kulinarische Blog, den die studierte Germanistin und Politologin aus dem oberösterreichischen Wels seit 2012 betreibt. Der Name allerdings steht nicht allein für ihre Liebe zum Koriander, sondern auch für einen Trend: „Bei uns wurde früher viel mit Basilikum und Oregano gekocht – die Kräuter meiner Kindheit.“ Das hat sich verändert, sagt Kristin – von der italienischen Küche, die in den 90ern ungeschlagen war, zur asiatischen Küche. Und die ist längst nicht mehr die Glutamatküche, sondern gesund und ausgewogen. „Chinapfanne für drei Mark und Dosenananas sind halt passé.“

Arme-Leute-Essen – mit Kürbis-Koriander-Chutney

Groß geworden ist Kristin mit der traditionellen österreichischen Küche: Erdäpfelnudeln aus Kartoffelteig, süß gemacht mit gesüßter saurer Sahne – früher ein Arme-Leute-Essen. Heute kommen die Erdäpfelnudeln in Kristins Küche gern mal mit einem Kürbis-Koriander-Chutney daher. „Altes mit Neuem zu kombinieren ist toll, aber auch gar nicht so einfach. Zum einen sind die Rezepte an sich oft sehr aufwändig, zum anderen freust du dich bei Klassikern ja eigentlich gerade darauf, dass es so schmeckt wie bei deiner Großmutter.“

Kristin Posch

Foto: Veronika Philipp

Zwei Drittel der Rezepte auf Corianderisthenewbasil.com sind echte Eigenkreationen. Hin und wieder nimmt Kristin auch mal ein Kochbuch zur Hand und lässt sich inspirieren. Nachkochen geht allerdings gar nicht. „Ich muss da immer irgendetwas anders machen“, sagt die 34-Jährige. Viele der Gewürze, die sie dabei verwendet, hat sie von ihren Reisen mitgebracht. Den Pfeffer aus Sri Lanka zum Beispiel. „Das schmeckt genial und du kannst auch noch eine Geschichte dazu erzählen – das macht natürlich etwas her.“

Bei der Wahl ihrer Reiseziele ist das Essensangebot allerdings eher zweitrangig. „Da schaue ich eher nach guten Wellensurfspots. Und wenn es dann dort auch tolles Essen gibt wie auf Bali oder in Sri Lanka, ist das natürlich genial.“ Irgendetwas Spannendes finde man aber sowieso überall. An einen Roadtrip durch Italien erinnert sie sich besonders gern. Am Ende seien sie und die Freundin, mit der sie unterwegs war, regelrecht aufgeschwollen gewesen, weil sie das viele Essen schlichtweg nicht mehr vertragen hätten, aber einfach nicht aufhören konnten.

Pasta drehen, Soße dazu, einen trinken, plaudern

In Asien liebt sie die Nachtmärkte. Aber auch die Küche Irlands, wo sie studiert hat, hält sie für total unterschätzt. „Man sagt immer, die hätten nur Stew und Rausgebackenes. Aber es gibt dort wirklich geniale Feinschmeckerlokale. Das „The Windmill“ in Dublin empfiehlt sie oder das Seafood in Lahinch im County Clare, einem kleinen Ort an der Westküste des Landes.

Good Mood Food

Das Kochbuch „good mood food“ zeigt die Rezepte von Kristin Posch

Eine wirkliche Lieblingsküche aber hat Kristin nicht. Sie liebt Humus, Granatapfel, Feigen, Auberginen, Pasta. Letztere macht sie gern selbst – zusammen mit Freunden: Frischen Pastateig zubereiten, Pasta drehen, Soße dazu, einen trinken, plaudern. „Da kann jeder mitmachen und alle haben Spaß.“ Sie habe schon immer gern Freunde eingeladen und bekocht – auch, als ihre Kochkünste noch nicht so ausgefeilt waren wie heut: „Mein erstes Risotto war wie ein Gefängnisbrei“, sagt Kristin und lacht.

Diese Zeiten sind lange vorbei. Mittlerweile ist Kristin Profi aus Leidenschaft – an der sie alle teilhaben lässt: ihre Blogleser, ihre Familie, ihre Kollegen bei Kofler, wo sie im Bereich PR und Marketing arbeitet. Und natürlich ihre Freunde, für die sie dank ihrer zahlreichen Backanfälle immer etwas im Tiefkühlschrank hat. Aktuell: Lemonbars mit Olivenöl und Meersalz – ganz ohne Koriander; denn das kann sie auch, wie sie unter anderem in ihrem neuen Kochbuch „Good Mood Food“ beweist.

 


Zum Nachkochen: Auberginentürmchen mit Süßkartoffel-Kürbis-Creme und Ziegenkäse

Mengen sind in der Einheit „frei Schnauze“ angegeben, Zeiten in „nach Gefühl“

Süßkartoffeln und Kürbis kleinschneiden und in Wasser weich kochen. Anschließend abgießen, frische Minze und weichen Ziegenkäse unterheben. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken und zu einer groben Creme verrühren.

coriander is the new basilAubergine in Scheiben schneiden, beidseitig mit Mehl panieren, in einer flachen Pfanne in Pflanzenöl frittieren und anschließend auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Die Auberginenscheiben auf ein Backblech setzen, einen großen Kleks von der Süßkartoffel-Kürbis-Creme drauf tun, mit einer weiteren Auberginenscheibe bedecken und andrücken. Zwei oder drei Schichten so auftürmen. Die Türmchen dann bei 200 Grad für fünf Minuten in den Ofen stellen, herausnehmen und mit Granatapfelkernen und Lavasalz auf Tellern anrichten.

Auf die Plätze, fertig … genießen!


Fotos: Veronika Philipp, Eike Mitte