Luke Hurley – It started with a sound

Die Queen Street, eine der größten Shoppingmeilen Aucklands. Kaufhausketten, Cafés und Imbissbuden – das Übliche. Der Alltag rauscht in den Ohren. Nur ein Geräusch sticht behutsam aber deutlich hervor. Es ist der Klang einer Gitarre, nein, eigentlich klingt es wie zwei Gitarren. Aber es ist nur eine, es ist die Gitarre des Singer-Songwriters Luke Hurley. Hier auf der Queen Street lässt er sich inspirieren, von den Menschen, vom Getummel um ihn herum, probiert neues aus. „Oh, there’s an audience!“ begrüßt er die Menschen, die vor seinem Gitarrenkoffer innehalten.

Luke Hurley, Singer-Songwriter aus Auckland

Eine klassische musikalische Ausbildung hat er nicht. Seine Melodien und die komplexe Rhythmik seiner Stücke fesseln. Ob er auch andere Stile spielen kann? „Some people call me the one trick pony,“ antwortet Luke lachend. Er spielt seinen ganz eigenen Stil, eine Mischung aus Indian Tabla und Irish Rock.

Luke Hurley improvisiert nicht nur. Neben der Queen Street tritt er immer wieder auch in Kaffees und bei Festivals auf. Auch bei einem Sommerfest in einem etwas außerhalb gelegenen Stadtteil darf Luke nicht fehlen: Sandringham. Die Menschen hier kennen ihn, rufen ihm ihre Titelwünsche zu. Er erfüllt sie – alle. Seine Texte sind gesellschaftkritisch, sie handeln von Werten und Menschlichkeit.

Auch sein Auftreten ist besonders. Immer wieder sucht er den Dialog mit dem Publikum. Darum liebt er die kleinen Anlässe. Zwischen zwei Liedern springt er plötzlich auf. Nach kurzer Zeit kehrt er mit frischen Erdbeeren zurück und verteilt sie an sein Publikum. Er liebt es, für die Menschen um ihn herum zu sorgen, für sie da zu sein. Das wichtigste aber ist die Musik. Während Gitarrenkoffer und Kabel noch kreuz und quer herumliegen ist Luke bereits voll und ganz in seiner Musik versunken. Er kann es oft kaum abwarten, endlich in die Saiten zu greifen.

Lukes Hurley’s Musik ist jenseits dessen, was wir Mainstream nennen. Er ist sich selbst treu geblieben, hat sich gegen den Kommerz entschieden. Unzählige Lieder hat er seit den 80er Jahren geschrieben, neun Alben selbst produziert. Ein Album konnte er so sogar zweifach veröffentlichen: „Sister Moon“, eine Instrumentalversion von „Brother Sun“, war ein Wunsch seiner Fans. 2009 tourte Luke durch Europa und spielte Konzerte in Belfast, London und Paris. „Früher“, sagt er, „war das leichter“. Heute bestimmt die Musikindustrie, was gespielt wird. Er will unabhängig bleiben. Der Preis, den er für den finanziellen Erfolg zahlen müsste, ist zu groß. Die Musik ist seine Leidenschaft, ein Medium um seine Erlebnisse zu verarbeiten. Er wirkt sehr nachdenklich, wenn er mit geschlossenen Augen für sein Publikum spielt.

Luke Hurley AucklandDie Ponsonby Road. In einer der unzähligen Bars spielt Luke Hurley an diesem Abend mehrere Stunden lang. Er schließt die Augen, taucht ganz ein in seine Musik, seine Texte. Wie in Trance vergisst er alles um sich herum. Nach jedem Lied scheint er zu erwachen und strahlt die Menschen um sich herum an – sein Publikum. Mal spielt er leise und sanft, dann wieder aggressiv. Man erkennt seine Stimmung an der Art, wie er spielt.

Luke liebt gutes Essen. Er hat zum Abendbrot in seine Wohnung eingeladen. Elena, eine Freundin, ist mit ihrer Familie gekommen. Sie haben gekocht, während Luke im Laden um die Ecke noch schnell den Nachtisch gekauft hat. Alle sitzen im Wohnzimmer um einen einfachen Holztisch, den er schnell noch ein wenig frei geräumt hat. Luke schenkt Tee ein. An einer Wand hängt das Originalbild des Albumcovers „Sister Moon“, das Elena für ihn gemalt hat. Viel Zeit scheint er hier nicht zu verbringen. Er sei der warmherzigste Mensch, den sie kennen, sagen seine Freunde. Luke Hurley lächelt – schüchtern, ein bisschen. Geboren ist er in Kenia, mit 16 Jahren über Großbritannien nach Neuseeland gekommen ist. Seit 43 Jahren spielt er hier auf seiner Gitarre – in den Straßen, Kaffees, auf den großen und vor allem den kleinen Bühnen.

Und auf die Queen Street zieht es Luke immer wieder. Jede Stunde muss er seinen Standort wechseln – eine Auflage der Stadt, sagt er. Ein Passant fragt ihn, ob er „Layla“ von Eric Clapton spielen könne. „Ich kenne diesen Song nicht“, sagt Luke, „aber ich kann einen anderen, wirklich guten für dich spielen“. Er spielt „Mona Lisa“, einen seiner beliebtesten Titel.

Unser letztes Treffen in den Straßen von Auckland. Luke Hurley spielt „From New York to Paris“ und „Mechanical“ – heute nur für uns. Unsere Verabschiedung ist herzlich. Als wir gehen, klingen seine Lieder noch lange nach, bevor der Straßenlärm seine Gitarre übertönt. Und so endet unsere Begegnung so wie sie begann: mit dem einzigartigen Sound seiner Gitarre. Wer durch Aucklands Straßen geht, sollte die Ohren also weit offen halten. Man könnte plötzlich vor einem der größten unbekannten Musiker Neuseelands stehen – Luke Hurley.