Der Eisenweg durch die Alpspitz-Nordwand

Aus dem Fenster unserer Ferienwohnung in Garmisch-Partenkirchen fällt der Blick direkt auf diesen markanten, pyramidenförmigen Gipfel am Rande des Wettersteingebirges – es ist die 2.628 Meter hohe Alpspitze, auf die einer der beliebtesten Klettersteige der Alpen führt. Dabei sieht der Gipfel aus der Ferne eigentlich kaum begehbar aus – eigentlich.

Nach einem stärkenden Frühstück geht es von Garmisch-Partenkirchen nach Südosten zur Talstation der Alpspitzbahn. Mit ihr fahren wir bis zur Bergstation am Osterfelderkopf auf 2.050 Meter. Beim Verlassen der Bergstation sind wir sofort fasziniert von der knapp 600 Meter hohen Nordwand, die sich vor uns in die Höhe räkelt. Auf der Terrasse des Restaurants Alpspitz legen wir unsere Klettergurte an und bereiten die Ausrüstung für den Einstieg in den Klettersteig vor. Wir wollen keine Zeit verlieren – denn für den frühen Abend ist schlechtes Wetter angesagt.

Alpspitze Klettersteig

Blick von der Terrasse des Restaurants Alpspitz auf die Nordwand der markanten Alpspitze

Auf einem einfachen Wanderweg geht es von der Bergstation zum Beginn des Klettersteigs. Wir überholen eine Gruppe Bergsteiger, die sich gerade für den Aufstieg bereit macht, und können ohne Verzögerung die erste Leiter auf 2.160 Metern Höhe in Angriff nehmen. Klick, klack – das Geräusch der ins Fixseil einrastenden Karabiner wird uns die kommenden 90 Minuten lang begleiten. Stufe für Stufe geht es bergauf. Der Klettersteig ist insgesamt sehr gut abgesichert und gleicht einem Eisenweg. Unzählige Eisenstifte, Klammern, Leitern und Drahtseile wurden hier verbaut – für geübte Bergsteiger also keine große Herausforderung.

Alpspitze Klettersteig

Der Klettersteig auf die Alpspitze ist durchgängig gut mit Fixseilen und Tritten versehen

 

Auf Augenhöhe mit der Zugspitze

Passagen mit Fixseilen, Eisenstiften und schmalen Pfaden wechseln sich ab. Es bleibt genug Zeit, den herrlichen Ausblick zu genießen. Schließlich erreichen wir den Gipfelgrat, unterhalb dessen sich die Abzweigung zum Jubiläumsgrat befindet, der auf die Zugspitze führt. Von oben kommen uns Bergsteiger entgegen, die den Weg zur Zugspitze einschlagen. Deutschlands höchster Berg scheint zum Greifen nah – die Tour dorthin ist allerdings selbst für erfahrene Alpinisten eine Tagesaufgabe.

Alpspitze Klettersteig

Kurz vor dem Gipfel werden wir mit einer spektakulären Aussicht auf die 2.962 Meter hohe Zugspitze belohnt

Wenige Minuten später erreichen wir den Gipfel der 2.628 Meter hohen Alpspitze. Klein, ja beinahe unscheinbar liegen der Osterfelderkopf und die Bergstation der Alpspitzbahn weit unter uns. Die Aussicht ist grandios: Garmisch-Partenkirchen auf der einen, die Zugspitze vor der Alpenkulisse auf der anderen Seite. Da der Himmel mittlerweile zugezogen ist, halten wir uns nur kurz auf dem Gipfel auf. Nach einer kleinen Brotzeit, ein paar Fotos und dem obligatorischen Eintrag ins Gipfelbuch beginnen wir den Abstieg über den Ostgrat. Über eine langgezogene Schotterpiste mit ein paar vereinzelten Schneefeldern geht es schnell wieder bergab.

Es beginnt zu regnen als wir in den Nordwandsteig einsteigen und die Nordwand in Richtung Osterfelderkopf queren. Wir beeilen uns, um nicht vollends nass zu werden. Dreieinhalb Stunden und eine schöne Tour später sind wir zurück an der Bergstation der Alpspitzbahn. Den Gipfel des Berges hat eine dichte Wolkendecke mittlerweile vollends verhüllt.


 

Der Alpspitz-Klettersteig

Alpspitze Klettersteig Karte

Der Alpspitz-Klettersteig führt unweit vom Osterfelderkopf (2.050 Meter) beginnend auf den Gipfel der Alpitze (2.628 Meter). Der rund 600 Höhenmeter umfassende Aufstieg ist gut gesichert und liegt damit im Schwierigkeitsbereich A bis B (leicht bis mäßig schwierig). Die Tour ist wegen ihrer landschaftlichen Schönheit sehr beliebt und vor allem bei gutem Wetter überlaufen.

Es empfiehlt sich, morgens mit der ersten Gondel der Alpspitzbahn hoch zu fahren oder unterhalb der Woche zu starten, um dem Stau am Klettersteig zu entgehen. Für die fünf Kilometer lange Einsteigertour auf höherem Niveau benötigt man etwa drei bis vier Stunden. Vor dem Start unbedingt die Wetterverhältnisse prüfen. Am besten besteigt man die Alpspitze in den Monaten Juni bis Oktober.