Praxistest: Was kann upgecycelte Outdoor-Kleidung?

Recycling, Upcycling, Downcycling: Nachhaltiges Denken ist längst in der Outdoor-Industrie angekommen – in unterschiedlichsten Formen. Nun hat auch das süddeutsche Modelabel Bleed eine zu 100 Prozent aus Stoffresten upgecycelte Modestrecke auf den Markt gebracht. Doch was bedeutet das überhaupt? Und was kann die Kleidung? Wir haben zwei Stücke aus der Kollektion getestet.

Wer viel in der Natur unterwegs ist, ist auf hochwertige Ausrüstung angewiesen. Trotzdem ist ein hoher Verschleiß oft unvermeidbar. Was also tun mit den abgenutzten Stücken? Wie umgehen mit dem hohen Verbrauch? Nachhaltiges Denken ist auch in der Outdoor-Industrie längst angekommen. Große Marken wie Patagonia verwenden für die Herstellung ihrer Ausrüstung schon seit längerem zumindest teilweise recyclete Materialien. The North Face brachte mit „Clothes the Loop“ 2013 ein Programm auf den Markt, bei dem Käufer neuer Kleidung ab einem Umsatz von 100 Euro für das gleichzeitige Abgeben alter Ausrüstungsgegenstände in jedwedem Zustand 10 Euro Rabatt bekommen.

Kollektion aus Stoffresten und Überproduktionen

Outdoor Upcycling Collection von Bleed

Foto: Bleed

Neben den großen haben sich längst auch kleinere Unternehmen an das Thema gewagt. The Renewal Shop beispielsweise ist ein amerikanisches Unternehmen, das sich auf das Upcyceln – also das Wiederverwerten – von ungenutzten Funktionsmaterialien spezialisiert hat. Dazu verwendet es reklamierte Kleidungstücke und solche, die nicht verkauft werden können, weil sie kleine Fehler haben.

Ein anderes Prinzip fährt das Modelabel Bleed aus Helmbrechts in Oberfranken, das mit seiner Outdoor Upcycling Collection eine komplette Kollektion mit Jacken, Hosen, Hoodies, T-Shirts und Tops entworfen und auf den Markt gebracht hat.

Outdoor Upcycling Collection von Bleed

Foto: Bleed

Die Idee: eine Outdoor-Kollektion aus Stoffrestbeständen herzustellen, die in jeder Produktion anfallen und wegen der überschaubaren Mengen nicht mehr für die konventionelle Produktion verwendet werden können – hochwertige Textilien wie Bio­Baumwolle, TENCEL® und recycelbares, schadstofffreies Polyester, die sonst auf dem Müll landen.

Entworfen hat die Outdoor Upcycling Collection Lena Grimm. Die 24-jährige ist Designerin und Produktmanagerin bei Bleed. Möglich gemacht hat das Projekt ein Angebot des Funktionstextil-Herstellers Sympatex. „Sympatex hatte viele Lagerstoffreste in Mengen von 200 bis 300 Metern – Größenordnungen, mit denen man für eine normale Produktion nichts anfangen kann“, sagt Lena.

Outdoor Upcycling Collection von Bleed

Foto: Bleed

„Sie wussten nicht, wohin damit, wollten die Stoffe aber auch nicht wegwerfen – für uns war es genau das, was wir für unsere Kollektion brauchten.“ Bleed fand eine kleine Produktion in Kroatien, die sich auf die Herstellung der geringen Mengen – 150 bis 200 Stück pro Teil – einließ und ließ aus den Lagerstoffen die Jacken der Upcycling-Kollektion herstellen.

Hosen aus Waschproben – in unterschiedlichen Farbtönen

Eine andere Upcycling-Idee steckt hinter den beigen Hosen. Für diese wurden sogenannte Waschproben verwendet. „Das sind etwa 0,70 mal 1,40 Meter große Stoffproben anderer Produktionen, die mehrfach gewaschen wurden, um zu testen, wie robust ein Material ist, ob die Farben schnell auswaschen oder der Stoff sogar schrumpft“, sagt Lena. Darum habe jede Hose auch eine etwas andere Farbe. Aus den Waschproben werden zum Beispiel auch Jutebeutel, Strandtaschen und Toolbags hergestellt.

Das Super Active Top Foto: Bleed

Doch was können die Teile? Genügen sie den hohen Ansprüchen von Outdoorfans und -Sportlern? Bleed hat ANAMEA den Super Active Hoody und das Super Active Top für Frauen für einen Praxistest zur Verfügung gestellt. Letzteres wurde aus atmungsaktivem TENCEL® hergestellt, einer Zellulose aus Eukalyptus, die ihre Eigenschaften vor allem beim Sport ausspielen soll, weil die Faser den Schweiß nicht so stark aufsaugt, sondern direkt noch außen leitet und so Schweißgeruch vermeidet. 

Auch wenn Fans von Merinowolle das kuscheligere Tragegefühl ein bisschen vermissen dürften, hat Bleed an der Stelle nicht zu viel versprochen. Der Ringerrücken und das integrierte Bustier sorgen zusätzlich für hohen Tragekomfort. Einziges Manko: Ein etwas längerer Schnitt würde den unteren Rücken besser vor Kälteverlust schützen und mehr Bewegungsfreiheit bieten.

Tolle Stoffe, tolle Features, Nachbesserungsbedarf beim Schnitt

Der Super Active Hoody Foto: Bleed

Für den Hoody hat Bleed wärmenden Fleece und Softshellmaterial verwendet – eine Mischung, die atmungsaktiv und gleichzeitig winddicht sein und viel Bewegungsfreiheit ermöglichen soll. Tatsächlich fühlt sich das Material auf der Haut sehr angenehm an, hält warm und selbst kräftigen Wind gut ab und ist gut verarbeitet. Die Kapuze ist verstellbar und schützt den Kopf hervorragend. An der rechten Seite befindet sich ein kleiner Zipper mit Versteckfach für Schlüssel, Geldkarten oder ähnliches Kleinmaterial. Toll sind auch der lange Schnitt und der hohe Kragen mit Kapuze.

Leider ist der Brustzipper zu kurz geraten, sodass der Kopfausschnitt auch bei geöffnetem Zipper sehr eng und das An- und Ausziehen nicht sehr komfortabel sind. Auch in Sachen Bewegungsfreiheit bietet der Hoody nicht, was er verspricht. Die Ärmel sind sehr eng geschnitten, das Material nicht elastisch genug, um die notwendige Bewegungsfreiheit zu bieten. Einen sicheren und sehr angenehmen Abschluss bilden hingegen die flexiblen Bündchen am Handgelenk. Kleines Manko: Die Daumenlöcher sitzen unterm Handgelenk statt auf der Innenseite.

Outdoor Upcycling Collection von Bleed

Unsere Autorin Maria hat das Super Active Top und den Super Active Hoody (s. Foto) aus der Outdoor Upcycling Collection getestet. Foto: ANAMEA.de

Mängel, die Bleed bekannt sind und die bei der nächsten Outdoor Upcycling Collection behoben werden sollen, sagt Lena. Wann diese kommen und wie sie aussehen wird, weiß sie noch nicht. „Was genau wir machen hängt davon ab, welche Stoffe zur Verfügung stehen, auch welche Farben.“ Auch in der nächste Runde soll es aber die gleichen Produktgruppen geben – Jacken, Hosen, Hoodies und T-Shirts bzw. Tops. Das Konzept sei von der Kundschaft gut angenommen worden, die Kollektion bereits zu 80 Prozent ausverkauft.

Tipp: Zumindest für die Oberteile der aktuellen Kollektion gilt: Lieber eine Nummer größer bestellen – die Größen fallen aufgrund der engen Schnitte recht klein aus!