Gesichter aus Kathmandu

Motorräder schlingern knatternd durch die Gassen, aufmerksamkeitsheischendes Hupen, es riecht nach Abgasen. Ein verheddertes Ensemble von Geräuschen, Gerüchen, von Menschen. Ich treibe durch die engen Straßen. „Hello, Mister!“ Strahlend wirft ein junger Mann seinen ganzen Charme in die Waagschale, um seine Ware zu verkaufen. Wenige Sekunden später trennen sich unsere Wege wieder. Und ebenso plötzlich, wie er erschienen war, ist er wieder eingetaucht in die Masse von Händlern, Verkäufern und Käufern.

SIUNU [Nähen, Sticken]

Der schwarze Anstrich hat seine besten Zeiten hinter sich. Aber dieses bestechend gleichmäßige Tack-Tack-Tack, mit der die Nadel den Faden durch den Stoff zieht – es gleicht auch auf seine alten Tage einem Uhrwerk. Und keine fünf Minuten später ist meine Hose wieder alltagstauglich. „Das macht dann 20 Rupien“, sagt Raju zufrieden – umgerechnet 20 Euro-Cent und weit weniger als wir erwartet haben.

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MAKAI [Mais]

„Nur 50 Rupien pro Stück und noch ganz heiß. Magst du einen?“, preist diese alte Dame ihre gegrillten Maiskolben an. Zwischen Pappkartons, Zeitungspapier und Holzbrettern sitzt sie an einer Straßenecke auf dem Boden. Mit dünnen Brettern hält sie das Feuer in einer halbrunden Metallschale in Schach, in die sie die Maiskolben gelegt hat.

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PHALPHUL [Obst]

„Hier, probier mal meine Bananen, schön süß!“ Mit einem kleinen Messer schneidet er mundgerechte Häppchen zurecht. Und seine Verkaufstaktik wirkt. Mich hat er sofort davon überzeugt, dass seine Früchte die besten sind. Ich kann nicht widerstehen und kaufe gleich ein ganzes Bund.

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BHUTEKO MAKAI [Popcorn]

Meinem Appetit auf etwas Salziges kommt die Frau mit dem mobilen Snack-Wagen auf gerade recht. Jeden Abend schiebt sie ihn durch die engen Gassen von Thamel. „Willst du eine große oder kleine Portion?“ In einer aus Zeitungspapier gefalteten Tüte überreicht sie mir das Popcorn, das sie vorher in einer kleinen Pfanne erhitzt hat.

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PANI PURI [Frittierte Teigbälchen]

„Wie viele möchtest du?“ Vier Stück sollten unseren europäischen Gaumen für den Anfang wohl erst einmal genügen. Liebevoll füllt der Garküchenbesitzer die knusprig gebackenen, runden Teigbällchen mit einer Mischung aus Kartoffeln, Erbsen und Gewürzen. Das kulinarische Vergnügen ist für mich jedoch nur von kurzer Dauer. Es hält genau so lange an, bis die ungnädige Schärfe in meiner Mundhöhle ihre volle Wirkung voll entfaltet hat.

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GANDHHARVA [Musikant]

Groß, klein, dick und dünn: Auf einem Stock trägt der Mann mit dem ruhigen, eindringlichen Blick einen Strauß aus Flöten durch die Straßen der nepalesischen Hauptstadt. Seine Instrumente sind nicht nur bei Touristen beliebt, sind nicht nur ein Souvenir für die Wohnzimmer-Vitrine. „Das hier ist eine ganz besondere Flöte. Hört genau hin, ich spiele euch etwas vor!“ Und schon nach wenigen Tönen hat er bewiesen, wie liebevoll und virtuos er sein Instrument beherrscht.

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CIYA [Tee]

Bis unter die Decke des kleinen Ladens sind die Päckchen und Dosen gestapelt – gefüllt mit losem Tee. Dazwischen sitzt eine kleine Dame, deren Strahlen erahnen lässt, welche Leidenschaft sie für ihren Beruf, ihr Tee-Geschäft hegt. „100 Gramm Masala-Tee, kein Problem!“ Mit gewissenhafter, ruhiger Hand wiegt sie exakt 100 Gramm Tee ab, schweißt die getrockneten Blüten luftdicht in Silberfolie ein und beklebt die Packung mit einem weißen Etikett.

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SAGSABJI [Gemüse]

„Die besten Chilis gibt‘s bei mir!“ ruft uns eine Gemüseverkäuferin hinterher. Ihre selbstbewusste und freundliche Art lässt keinen Raum für Zweifel an dieser Behauptung. Ihr Kleid reiht sich in das Grün der Kohlköpfe, Zucchinis und Bohnen ein, die sie auf einer Plane vor sich ausgebreitet hat. In einer Reihe sitzt sie mit anderen Obst- und Gemüsehändlern am Straßenrand, die ihre Ernte aus dem Umland hier im Gassengewirr Kathmandus verkaufen wollen.

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CAKKU [Messer, Schere]

Die Schleifstein-Konstruktion gleicht eher einem in die Jahre gekommenen Fitnessgerät. Lachend begegnen die beiden Männer unseren ungläubigen Blicken. Während einer von ihnen eine alte Fahrradkette in rhythmischen Bewegungen hin und her zieht, schleift der zweite die Schneidekante einer Schere an dem rotierenden Stein. „Wichtig ist, dass der Schleifstein gleichmäßig angetrieben wird“, erklärt er lächelnd.

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KALAKAR [Künstlerin]

Neben sich auf dem Straßenpflaster hat sie Vorlagen für Henna-Tattoos ausgelegt. Einmal auf dem kleinen Hocker Platz genommen bemalt die junge Frau Hände oder Füße in Windeseile und mit voller Konzentration. „Soll ich wirklich nur die Finger und den Handrücken machen? Nicht noch den Arm?“ 30 Minuten lang darf man sich danach nur ganz vorsichtig bewegen bis alles getrocknet ist und die abbröckelnden Farbwülste die Färbungen freigeben, die sie auf der Haut hinterlassen haben.

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SADHU [Gläubiger]

„Ein Foto von mir kostet nur 50 Rupien“, strahlt das Oberhaupt der Gruppe. Mit ihren gelb leuchtenden Gewändern und den bemalten Gesichtern wirken die Sadhus selbst im farbenfrohen Nepal wie Paradiesvögel. So schnell wie sie gekommen sind, so schnell sind sie auch wieder in der Menschenmasse untergetaucht. Es ist nur ein flüchtiger Augenblick, oft von nur wenigen Worten begleitet. Doch immer mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen.

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