Eine Reise in die Mikronation Ladonien

Versteckt auf der Kullaberg-Halbinsel im Süden Schwedens, am Meeresgebiet zwischen Jütland und der schwedischen Westküste, liegt die Mikronation Ladonien. Ihre 17.752 Einwohner, 456 Adelige und 125 Minister (Stand Juli 2015) stammen aus mehr als 100 Ländern weltweit. Ist es die bewegte Geschichte der 1996 ausgerufenen Nation? Sind es die abstrakten Kunstwerke? Oder treibt einen die pure Entdeckerlust? Warum auch immer: Ladonien hält viele Überraschungen bereit.

Eine knappe Autostunde nördlich von Malmö, am Ende eines Feldweges, liegt ein kleiner Parkplatz mitten im Wald. Kaum etwas deutet darauf hin, dass hier etwas Besonderes zu finden wäre. Vom Parkplatz führt ein Weg einen kleinen Hügel hinauf – vorbei am Gehöft Himmelstorp aus dem 18. Jahrhundert. Herrlichen selbst gebackenen Kuchen und frischen Kaffee gibt es hier. Unweit des Hofs entdeckt der aufmerksame Beobachter auf einem Weidezaun ein verblasstes gelbes „N“ zwischen den leuchtend roten und blauen Wanderwegmarkierungen des Kullaberg-Naturschutzgebietes. Es markiert die Abzweigung zum kleinen Ort Nimis.

Ladonien Nimis Kullaberg

Am Gehöft Himmelstorp aus dem 18. Jahrhundert gilt es, die richtige Abzweigung zu nehmen

Von hier aus führt der Waldweg Richtung Küste. Nach einem Kilometer wird er steiler. Über Stock und Stein geht es hinunter zum Meer. Noch immer ist nichts von dem erstaunlichen Ort zu sehen. Der Abstieg ist beschwerlich. Doch dann, urplötzlich beginnt das, wonach alle suchen: ein steiler, enger Tunnel, zusammengenagelt aus Balken und Brettern. An manchen Stellen passt gerade so eine Person hindurch. Vom vielen Festhalten und Anfassen ist das Holz ganz glattgeschliffen. Überall ragen rostige Nägel aus dem Holz. Schon nach ein paar Metern gibt das Ende des Tunnels einen ersten Blick auf Nimis frei.

Nimis in Ladonien – Ein Kunstwerk aus Treibholz

1980 begann der Künstler Lars Vilks mit dem mehrere Jahre dauernden Bau seiner Skulptur Nimis. Es besteht ausschliesslich aus Treibholz. Wegen der beschwerlichen Wanderung nach Nimis blieb der abstrakte Turm am Ufer der Halbinsel Kullaberg lange Zeit unentdeckt – bis 1982 schließlich die Behörden darauf aufmerksam wurden. Es entbrannte eine juristische Auseinandersetzung um das Kunstwerk. Wegen seiner Größe wurde der Turm zum Gebäude deklariert – für das es keine Baugenehmigung gab. Während man vor Gericht eifrig um die Legitimität des Werks stritt, baute Lars Vilks einfach weiter, ergänzte Nimis um weitere Gänge und Türme. 1991 erschuf er unweit von Nimis ein zweites Kunstwerk aus Stein: Arx.

Ladonien Nimis Kullaberg

Die 15 Meter hohe Skulptur Nimis fertigte der Künstler Lars Vilks aus Treibholz an

Nach einem mehr als ein Jahrzehnt andauernden Rechtsstreit sollten die Skulpturen schlußendlich abgerissen werden. Doch dazu kam es nie. Also besetzte Lars Vilks das einen Quadratkilometer umfassende Land innerhalb des Kullaberg-Naturschutzgebiets dauerhaft. 1996 rief er aus Protest dessen Unabhängigkeit von Schweden aus. Die Mikronation Ladonien war geboren. Sich selbst ernannte Vilks zum Kanzler einer Regierung aus Ministern. Seitdem kann jeder der möchte, Bürger von Ladonien werden – das Ausfüllen eines Online-Formulars genügt. Gegen eine Gebühr von derzeit 30 US-Dollar gibt es sogar einen Adelstitel dazu. Akzeptierte Bürger erhalten eine Staatsangehörigkeitsbescheinigung. Je nach Bewerberaufkommen kann dies allerdings bis zu zehn Wochen dauern. Mittlerweile hat Ladonien mehr als 17.000 Bürger aus aller Herren Länder.


Fun Fakts zu Ladonien

  • Die Nationalhymne Ladoniens? Das Geräusch eines ins Wasser fallenden Steins.
  • Es gibt zwei Wörter in der landonischen Sprache: “waaaall” und “ÿp”
  • Die Währung heißt Örtug. 1 Örtug entspricht ungefähr 10 schwedischen Kronen oder 1 Euro.
  • Ladonien hat sogar eine eigene Zeitzone: die Ladonia Standard Time (LST), UTC/GMT +0:57
  • Die ladonische Flagge ist ein grünes Kreuz auf grünem Hintergrund

Quelle: www.ladonia.org


Nimis´ Holzlabyrinth hat eine Gesamtlänge von 200 Metern. Besucher können innerhalb der Skulptur durch unzählige Gänge gehen, kriechen oder steigen. Besonders Mutige klettern auf die bis zu 15 Meter hohen Türme. In dieser luftigen Höhe schwankt die Konstruktion allerdings etwas – nichts für Menschen mit Höhenangst – scheint doch die komplette Skulptur scheinbar wahllos aus Treibholz zusammengenagelt. Wenige Meter neben Nimis befindet sich der Turm Wotan direkt an der Küste Ladoniens. Unterhalb des hohen Turms gibt es sogar eine Nationalbibliothek.

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Ladonien Nimis Kullaberg

In luftiger Höhe: Es erfordert Mut, bis ganz nach oben zu klettern

Ein Stück weiter die Küste entlang nach Osten beginnt hinter dem steinernen Kunstwerk Arx der Highway 2 – ein kleiner Pfad, der zu einem Apfelbaum und einer kleinen Höhle führt, in der menschliche Überreste entdeckt worden sein sollen. Der Weg führt weiter zu einer Ebene mit Felsen und Bäumen und endet schließlich an der Grenzstation Rolfs Park an der Ostgrenze Ladoniens, die nach dem schwedischen Philosophen Rolf Gottfries benannt ist.

Ladonien ist eine Mischung aus künstlerischer Selbstverwirklichung, politischer Abgrenzung und Abenteuerspielplatz für Groß und Klein – in jedem Falle aber ein lohnenswertes Ziel für einen Tagesausflug. Ganz egal aus welchem Grund die Menschen sich auf den Weg nach Ladonien machen: Fast alle betreten den Ort rund um die Holzskulpturen begleitet von einem international verständlichen „Wow!“.

Wo liegt Ladonien?

Map Ladonien