Orang Utans im Gunung Leuser-Nationalpark

Ein Rascheln in der Baumkrone. Auf 9.000 Quadratkilometern tummeln sich im Gunung Leuser-Nationalpark auf der Insel Sumatra unzählige Affenarten.

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Ein lautes Rauschen dringt durch den Kopf: das Rauschen des Wassers, das der Luft. Eine schmale Brücke führt über den Fluss Bohorok in das kleine Dorf Bukit Lawang hinein. Hinter den einfachen Holzfassaden verstecken sich kleine Restaurants. Selbst hier irgendwo im Nirgendwo darf der berühmte Plastikstuhl auf den Terrassen nicht fehlen. Bukit Lawang ist der Hauptzugang zum Gunung-Leuser-Nationalpark – zu einem der letzten Paradiese für alle, die Affen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten wollen.


 

Thomas Leaf

Durchschnittlich sieben Kilogramm schwer können sie werden. Affen leben in Horden: Ein Männchen, mehrere Weibchen und der Nachwuchs. Das macht nicht selten 20 oder mehr Tiere in einer Gruppe.

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Früh am Morgen haben es sich diese Thomas Leaf-Affen auf einer Veranda gemütlich gemacht. Ihre freche Art macht sie im Dorf nicht immer zu gern gesehenen Gästen. Auch auf den Kautschuk-Plantagen sind sie schon unterwegs.  Genüsslich naschen sie die Früchte von den Gummibäumen. Die meisten Muttertiere haben ein Junges bei sich. „Punky Monkey“ nennen die Einheimischen sie. Der Grund dafür ist nicht zu übersehen: ihr Irokesenschnitt – made by Mutter Natur.


Makaken

Sie sind der Inbegriff des dreisten Äffchens. Scheu kennen sie nicht. Im Rudel trauen sich sehr nah an Menschen heran und können durchaus gefährlich werden. Meistens aber geht es Ihnen nur um das Essen, das man bei sich hat.

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Wie auch ihre Artgenossen sind Makaken leidenschaftliche Früchte-Esser. Die tagaktiven Tiere klauen Wanderern die köstlichen Rambutan-Früchte gern auch direkt aus der Hand, um dann mit der Beute in die nächste Baumkrone zu flüchten. Aus den so menschlichen Gesichtern spricht die Schadenfreude über den Fang und die erschrockene Miene des Bestohlenen. Auch Blätter, Baumrinde, Samen und Blüten sind beliebte Nahrungsmittel.


Orang Utans

Ein Knacken in der Baumkrone. Es raschelt, tellergroße Blätter segeln bedächtig zu Boden. Sie sind da: die Orang Utans. Langsam und besonnen hangeln sich die rotbraunen Menschenaffen von Baum zu Baum.

orangutanOrang-Utans sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Genetisch stimmen sie mit dem Menschen zu 97 Prozent überein. Ein Kräftemessen allerdings dürfte ziemlich schnell entschieden sein: Ein ausgewachsener Orang-Utan ist sieben Mal so stark wie ein erwachsener Mensch. 2,30 Meter Armspannweite, Greifhände und -füße machen den Waldmensch zum König des Hangelns. Gemütlich schwingen sich die 70 bis 90 Kilogramm schweren Männchen und die etwa halb so viel wiegenden Weibchen von Baum zu Baum. Im Gegensatz zu ihren wilderen Artgenossen legen sie dabei allerdings selten mehr als einen Kilometer am Tag zurück. Orang-Utans sind die größten und schwersten in den Baumkronen lebenden Tiere. Den Boden betreten sie nur selten.

 

orangutan230 bis 270 Tage dauert es bis zur Geburt eines Orang-Utan-Babys – bis zur völligen Abnabelung von der Mutter vergehen allerdings rund sieben Jahre. Die Waldmenschen haben nicht zuletzt darum die niedrigste Vermehrungsrate aller Säugetiere. Mit etwa 15 Jahren bekommen sie das erste Mal eigenen Nachwuchs. Durch den angeborenen Klammerreflex stehen die Jungen in sehr engem Körperkontakt mit der Mutter – intimste Zweisamkeit.

 

orangutanDie Mutter ernährt und beschützt ihr Kleines, ist Kletterlehrerin und Instrukteur für alle Lebenslagen. Drei Jahre lang trägt sie das Affenbaby, bis zum fünften Jahr stillt sie es. Erst ab dem siebten oder achten Lebensjahr gehen die beiden getrennte Wege. Orang-Utans werden in der Wildnis nur selten älter als 40 Jahre.

 

orangutanOrang-Utans sind leidenschaftliche Frühstücker. Zwei bis drei Stunden Zeit lassen sie sich für die wichtigste Mahlzeit des Tages. Knospen, junge Blätter, Rinde, Wurzeln, Pilze, Ameisen, Honig, Raupen – die Speisekarte ist schier unerschöpflich. Die Menschenaffen können unter 1.000 Pflanzenarten die genießbaren, die giftigen und sogar die heilsamen Arten unterscheiden. Auf Bäumen mit besonders vielen reifen Früchten sind die Eigenbrötler manchmal sogar in Gruppen zu entdecken.

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Zweimal am Tag gibt es an der Fütterungsplattform des Gunung Leuser-Nationalparks ein kleines Leckerli: Bananen und Milch – eine Stärkung, die jedoch nicht die eigene Futtersuche ersetzen soll. Vor allem alte, kranke und schwangere Affen kommen hier her.


Gibbons

Tagaktive Baumbewohner gibt es in den Weiten des Regenwalds viele. Vor allem Gibbons turnen regelrecht durch die grün leuchtenden Baumkronen.

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gibbonEntfernungen von drei bis fünf Metern überwinden die quirligen Gibbons mit ihren langen, muskulösen Armen mit Leichtigkeit. Blitzschnell springen sie von Ast zu Ast. Ihre schlanken Körper bringen lediglich sechs Kilogramm auf die Waage. Sumatra, Malaysia, Myanmar, Thailand: Gibbons leben ausschließlich im tropischen Regenwald. Ihre lauten Schreie sind schon lange zu hören, bevor man die Affen sieht. Jeden Morgen stimmen sie eine Art Gesang an, mit dem sie ihr Revier markieren.


Der Regenwald

12 Sonnenstunden. 28 Grad Celsius, feuchtwarmes Klima. 50 Meter hohe Bäume. Unzählige Tier- und Pflanzenarten. Der Regenwald ist der Lebensraum unzähliger Tiere. Das Dickicht verschluckt seine Besucher, wie kaum einer anderer Ort.

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Durch Brandrohdung und illegales Abholzen schaffen sich die Menschen Raum für Palmöl- und Kautschukplantagen. Unkontrollierte Waldbrände sind an der Tagesordnung. Schokolade, Margarine, Kosmetika, Kerzen, Wasch-, Putzmittel, Heizöl: Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl für die Herstellung unzähliger Alltagsprodukte. Die massive Ausdehnung der Palmölplantagen seit Mitte der 90er Jahre wird nicht zuletzt aus Europa, Nordamerika und Ostasien unterstützt. Fast sämtliche Tiefland-Regenwälder sind abgeholzt oder verbrannt. Das ist das Todesurteil für etliche Tier- und Pflanzenarten – unter anderem den Orang-Utan. Aktuell gibt es 13 Populationen auf Sumatra – Tendenz sinkend. Sofern nicht drastische Maßnahmen zur Rettung des Regenwaldes ergriffen werden, wird es auch hier in wenigen Jahren keine Affen mehr geben.

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Seit 1924 ist es in Indonesien verboten, Orang-Utans in Gefangenschaft zu halten. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. 1973 wurde darum mit Unterstützung des World Wildlife Fund (WWF) das Orang-Utan Rehabilitation Centre gegründet. Illegal in Privathaushalten gehaltenen Affen wird hier ihr natürliches und überlebensnotwendiges Verhalten wieder antrainiert. Anschließend werden sie in die Wildnis entlassen. Die ausgewilderten Orang-Utans sind halbwild. Sie sind an die Präsenz von Menschen gewöhnt und im Dschungel darum leichter zu beobachten als wilde Orang-Utans. Einheimische Guides bieten ein- oder mehrtägige Touren durch den Dschungel an, um Touristen aus aller Welt den natürlichen Lebensraum der Tiere zu zeigen und auf die Problematik aufmerksam zu machen. Geschlafen wird in Zelten, gekocht und gegessen unter freiem Himmel – ganz natürlich.


Der Gunung Leuser-Nationalpark

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Es ist einer der letzten Orte, an denen man die gefährdeten Orang-Utans noch sehen kann: Seit 2004 steht der Gunung Leuser-Nationalpark mit seinen rund 8.000 km² als World Heritage Site unter der schützenden Hand der UNESCO.

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