Per Pistenraupe in den Pulverschnee

Foto: Tim Tolsdorff
Foto: Tim Tolsdorff

Die Monashee Mountains im Südwesten Kanadas gelten als Dorado für Catskiing. Statt mit dem Lift geht es für die Freerider mit zu Tiefschneebussen aufgerüsteten Pistenraupen bergwärts, die Platz für 12 Personen bieten. Sanft gewellt und bewaldet stellen sich die Höhenzüge im Inland von British Columbia als Erste den vom Pazifik heran rauschenden Tiefdrucksystemen in den Weg. Die Folge: Staulagen mit besonders heftigen Schneefällen, unter denen die Region im Winter regelmäßig versinkt. In früheren Zeiten litten die örtlichen Goldsucher unter den harten Wintern. Oft waren ihre ärmlichen Siedlungen wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten.

Monashee Cat Skiing

Pistenraupen bringen die Freerider zu den Abfahrten, Foto: Tim Tolsdorff

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts fielen statt Glücksrittern die Skifahrer in die Region ein. Im Gegensatz zum Skigroßraum von Whistler nahe der Küste bleibt der Schnee im Süden der Monashees an der US-Grenze extrem trocken. Ein dichtes Netz von Forstwegen durchzieht die Bergregion um den Mount Neptune im Hinterland der Kleinstadt Trail – die perfekte Infrastruktur für Pistenbullys. Über acht Höhenzüge und gut 78 Quadratkilometer erstreckt sich die Spielwiese für Freerider mittlerweile. Das Unternehmen Big Red Cats bedient ein Areal, das viermal so groß ist wie der Vail Mountain, der weitläufigste Skiberg der USA. 420 Abfahrten zwischen 1.500 und 2.200 Metern haben Kieren Gaul und seine Guides in den Monashee Mountains erschlossen.

Die im Sommer von der Holzindustrie bewirtschafteten Bergflanken bieten Platz für ausladende Schwünge im hüfttiefen Pulverschnee. Es ist ein Szenario aus den feuchten Träumen aller Freerider, das sich beim Catskiing am Mount Neptune abspielt: Die Pistenraupe setzt röhrend zurück, macht sich unter sonorem Brummen auf den Weg ins Tal und wird nach wenigen Metern vom Bergwald verschluckt. Augenblicklich herrscht Stille – unterbrochen nur vom Geräusch der eigenen Atemzüge.

Wie eine aufgemotze Version des Sauerlands wirken die schier endlosen, gewellten Höhenzüge der Monashees. Erst am Horizont werden die Berge vom Dunst verschluckt. Ringsum ragen unzählige „Snow Ghosts“ auf – Schneegeister, Bäume, an deren Zweigen der Wind den Schnee zu bizarren Skulpturen geformt hat. Vor den Skispitzen glitzert ein licht bewaldeter, weißer Hang im kalten Licht der Wintersonne. Die Bindungen klicken, der Guide legt die erste Spur, die Gruppe folgt mit wenigen Metern Abstand. Der Schnee wirbelt auf, fühlt sich unter den breiten Geländeskiern an wie ein Polster aus Daunenkissen. Es ist der Moment, in dem der Zauber des Catskiings seine Wirkung vollends entfaltet.

 

Anamea hat den Ritt auf der Schneekatze gewagt und sich ins Vergnügen gestürzt. Hier geht’s zum Sofa-Freeride.

 

Fünf Tipps zum Powdern in Kanada

  • „No friends on powder days“ – Wenn der Neuschnee sich meterhoch auf den Hängen ablegt, zählt nur eins: als Erster die Spur durch den jungfräulichen Schnee zu ziehen!
  • Der einzige, der vorlegt: der Guide.
  • Wer ohne Guide im Gelände unterwegs ist, sollte nicht nur mit dem extrem weitläufigen Gelände in Kanada sehr gut vertraut sein, sondern auch mit der Einschätzung alpiner Gefahren – vor allem Lawinen.
  • Helmpflicht! Auch wenn man bei den meisten Stürzen dank Tiefschnee weich fällt: Angesichts der unzähligen Bäume geht ohne Kollisionsschutz am Kopf nichts.
  • Vorsicht vor „tree wells“! Diese teilweise zugeschneiten Nadelbäume stellen eine der größten Gefahren beim Powdern in den Wäldern Kanadas dar. Unter ihren ausladenden, vom Pulverschnee begrabenen Ästen haben sich Hohlräume gebildet, die für Skifahrer und Snowboarder zu tödlichen Sturzfallen werden können.

 

Monashee Cat Skiing

Beeindruckende Landschaft, Foto: Tim Tolsdorff

Map Monashee Mountains